Buchempfehlungen

Der Jurakonflikt

Eine offene Wunde der Schweizer Geschichte

Christian Moser geht in seinem Buch historisch weit zurück, viel weiter als der Wiener Kongress 1815, als der geographische Raum Jura und Laufental dem Kanton Bern zugeschlagen worden ist. Wer gerne geschichtliche Daten, Namen und Orte liest, ohne jede schmückende, romanhaften Zutat, der taucht hier tief in die Schweizer Geschichte ein und staunt, was sich wie und warum entwickelt hat. Und stellt am Schluss tatsächlich fest, die Jurafrage ist auch 2021 noch eine offene Wunde, denn ein zweites Mal ist in Moutier/Münster abgestimmt worden, ob die Stadt zum Kanton Jura oder zum Kanton Bern gehören will.

Im Buch geht der Autor Schritt um Schritt durch alle politischen Daten und Namen dieses Konflikts: aus den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts die Separatisten, Béliers, Sangliers, sowie die eigentliche Terrororganisation die Front de Libération Jurassien (FLJ). Hier stehen Marcel Boillat und Jean-Marie Joset im Zentrum, zudem ein Helfer, Pierre Dériaz. Wie sind überhaupt ihre Einstellung, ihre Überzeugung und ihr flammender Idealismus entstanden? Sie liessen sich viel zuschulden kommen, nahmen auch Todesfälle in Kauf, wurden angeklagt und verurteilt. Als Boillat aus dem Gefängnis ausbricht, wird er wie ein Held gefeiert, setzt sich ins Ausland ab. Obwohl der Autor diese drei Männer in den Mittelpunkt stellt, waren natürlich noch viele weitere Anhänger an den Ereignissen beteiligt, Berntreue wie auch Jurassier.

Auch nach der Gründung des Kantons Jura 1970 gehen die Anschläge weiter, die Béliers treten immer wieder in Erscheinung mit ihren Aktionen. Man denke an den „Fritz“ vom Col des Rangiers, der nach der Gründung des Kantons Jura gleich zwei Mal, 1984 und 1989 gestürzt worden ist. Die Zeittafel im Buch führt durch ein reiches Kapitel Geschichte und spricht ohne Illustrationen Bände, ruft vieles in Erinnerung, was man vergessen oder in der Schule nie gelernt hat.

Immer wieder beteuert Boillat, dass es ihm nicht um einzelne Personen gegangen sei, sondern um den Jura. Dennoch waren natürlich Menschen von den Anschlägen, Brandstiftungen etc. betroffen. Er bereut nichts, lässt sich auch an Gedenkanlässen feiern. Er stirbt im April 2020 hochbetagt in Spanien, der Jurakonflikt geht weiter.

Christian Moser, Der Jurakonflikt, eine offene Wunde der Schweizer Geschichte, NZZ Libro, Schwabe Verlagsgruppe AG, ISBN 978-3-03810-463-6

Ursula Bonetti, Rédactrice

 

Karl Barths «Schweizer Stimme» Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Fenster in die Vergangenheit. GMS-Jahresschrift Heft 44

Die Autoren dieser aussergewöhnlichen Publikation sind der Historiker Hans Rudolf Fuhrer, der Theologe Pfr. Niklaus Peter und Max Rudolf, der hier das Kadettencorps Schöftland und seine Bedeutung in der Kriegszeit auferstehen lässt. In dieser Schrift geht es nicht um militärische Bauten oder um militärpolitische Entscheide vor und während des Zweiten Weltkrieges, resp. während der Diktatur Adolf Hitlers. Im Mittelpunkt steht der Schweizer Theologe Prof.Dr. Karl Barth und dessen Überzeugung «Widerstand als christliche Pflicht».

Im Juli 2021 jährte sich zum 80. Mal der Jahrestag von Karl Barths Rede «Im Namen Gottes des Allmächtigen». Die Rede, die Karl Barth anlässlich der 650-Jahrfeier Schweizerische Eidgenossenschaft am 6. Juli 1941 vor 2000 Mitgliedern der «Junge Kirche» in Gwatt bei Thun gehalten und sie auch im Verlag der Evangelischen Gesellschaft publiziert hat, ist im vollen Wortlaut als Anhang in der GMS-Jahresschrift enthalten. Die GMS-Schrift rankt sich um dieses Referat und um Barths ganze christliche Einstellung.

Karl Barth (1886-1968) war eine Persönlichkeit von internationalem Format. Früh sah er die Gefahren der kommenden «Braunen Zeit». Er hielt auch an Deutschen Universitäten Vorlesungen und auch in Prag. Die GMS-Schrift gibt dem Leser Gelegenheit in ein reiches, theologisches Schaffen einzutauchen, aber auch in seine Überzeugung zum Widerstand. Barth führt zahllose Korrespondenzen: «Lieber unangenehm laut, als unangenehm leise». Er war kein Gutmensch, der nur seinem Glauben lebe. Er engagierte sich ab 1911 als radikaldemokratischer Sozialist.

Das anspruchsvolle Werk ist reich illustriert mit Fotos aus dem Leben Karl Barths. Sein Kampf gegen den Nationalsozialismus begann schon 1933-1935 im Deutschen Reich. Wieder in Basel brachten ihn «Weckrufe» (1935-1940) ins Schussfeld der Nazi und 1940-1943 engagierte er sich für die Geistige Landesverteidigung der Schweiz. Er schuf sich keineswegs nur Anhänger. Er war vielen Zeitgenossen sehr unbequem und teilweise wurden seine Schriften verboten. Es lohnt sich, sich mit diesem Theologen aus historischer Sicht auseinanderzusetzen, der oftmals sein Leben nicht nur auf dem strengen, geraden Weg von der Kanzel herab führte, sondern auch Umwege in Kauf nahm, um die Völker aufzurütteln. Ein mutiger Mann Gottes.

Zu bestellen bei: GMS Bücherdienst, rudolf.widmer-gms[at]bluewin.ch ISBN 978-3-9525128-3-8

Ursula Bonetti, Redaktorin

 

Gotthard – das Herz der Schweiz

Fenster in die Vergangenheit. GMS-Jahresschrift Heft 43

Die Autoren dieser aussergewöhnlichen Publikation sind Hans Rudolf Fuhrer, Bruno Bommeli, Andreas Fuhrer, Mattia Piattini und Peter Zbinden. Aus jeder Zeile spürt man enormes Geschichtswissen und Geschichts­verständnis, mit Herzblut eindrücklich und leicht lesbar dargestellt.

Mit diesem Heft erhält man die einmalige Gelegenheit tief in die Geschichte des Réduit einzutauchen. Im Zentrum steht die Festungs­anlage Sasso da Pigna, heute das Museum Sasso San Gottardo. Wenn man nicht mehr so mobil ist, oder als Vorbereitung zu einem Besuch, empfiehlt sich die Lektüre dieses Heftes. Man hat nie ausgelernt!

Das Werk ist reich illustriert mit Fotos, Plänen, Zeichnungen, meist aus Privatbesitz oder speziell im Hinblick auf die Publikation gemacht. Ergänzt werden die Bilder mit den militärischen Landkarten, die heute nicht mehr der Geheimhaltung unterstehen. Es geht jedoch nicht nur um militärische Aspekte sondern auch um politische, wirtschaftliche (z.B. Elektrizität), sei es regional oder schweizerisch. Zwar war der Gotthard das Zentrum des Réduit, doch war der ganze Raum stark befestigt, nördlich und südlich, in den Tälern der Kantone Uri, Tessin, Wallis, da wäre niemand durchgekommen. Einige dieser früheren Befestigungsanlagen sind für Durchreisende oder Wanderer gut sichtbar, andere muss man entdecken. Machen wir uns auf den Weg und lassen wir uns in die Vergangenheit entführen, damit wir die Gegenwart begreifen und uns für die Zukunft wappnen können!

Zu bestellen bei: GMS Bücherdienst, rudolf.widmer-gms[at]bluewin.ch  ISBN 978-3-9525128-2-1

Ursula Bonetti, Redaktorin