Das Wort des Präsidenten

Geschätzte Kameradinnen und Mitglieder, verehrte Sponsoren

Wenn Sie diese Zeilen lesen, befinden wir uns in der Adventszeit … der Zeit der Besinnung und Nächstenliebe.

Ich hoffe, dass Sie sich in dieser Zeit auf die richtigen und wichtigen Werte fokussieren und sich die nötige Zeit für Ihr Umfeld und Ihre Anliegen nehmen. Ich persönlich bin der Meinung, dass man sich nicht lediglich aufgrund «gesellschaftlicher Zwänge» im Monat Dezember sondern ganz grundsätzlich mehr Zeit für seine Liebsten und die Dinge ausserhalb des beruflichen Korsetts nehmen sollte. 

Wenn ich jedoch über Nächstenliebe schreibe, kommt mir ein Referat in den Sinn, welches ich kürzlich besucht habe. Dabei hat NR Fabian Molina, seines Zeichens Mitglied der SP und «Berufsfunktionär», Beispiele aus Bürgerkriegsregionen im Nahen Osten geschildert. Quelle des Übels waren aus seiner Sicht – neben einer gescheiterten Regierung – insbesondere die bewaffneten Sicherheits- und Streitkräfte im Land. NR Molina hat das herrschende Unheil sehr nachvollziehbar geschildert und – durch ein Verbot bzw. eine Abschaffung von Waffen und insbesondere landeseigenen Streitkräften – mögliche Lösungen aufgezeigt und hat damit an unsere Nächstenliebe appelliert. 

Wie können und sollen wir Offiziere mit solchen Aufrufen umgehen? 

Ich denke wir sind uns von politisch Links bis Rechts einig, dass wir solche Bilder vermeiden müssen. Der Ansatz, wie wir diese Geschehen künftig aus der Realität verbannen, könnte jedoch unterschiedlicher nicht sein. In linken Kreisen geht man generell von der romantischen Vorstellung aus, dass ohne Waffen und Armeen Frieden herrschen sowie – ganz im Sinne der französischen Revolution – die Werte Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit das Gesellschaftsbild prägen. 

Persönlich bin ich überzeugt, dass diese Auffassung mit Vorsicht zu geniessen ist und wir unsere Grundwerte gegen Einflüsse von aussen und innen verteidigen müssen. Es steht ausser Frage, dass das Gewaltmonopol beim Staat zu liegen hat – doch was verstehen wir unter einem solchen Staat? Ein Rechtsstaat, eine Demokratie oder lediglich eine anerkannte Regierung? Wie verhält es sich mit unterdrückten und verfolgten Ethnien? 

Aus diesem Grund vertrete ich die Ansicht, dass wir zwar nicht  wie zur Zeit der Kreuzzüge oder früher auch oft die Missionare  unsere Werte mit Waffengewalt auf der ganzen Welt durch- setzen sollen, aber dass wir zumindest günstige Voraussetzungen zum Schutz der Gerechtigkeit und der Schwachen zu  schaffen haben. 

Ich bin überzeugt, wenn wir bei den aktuellen Krisenherden  einen «breiten Ansatz» wählen – durch Unterstützung, Aufklärung, Ausbildung aber auch Lieferungen von ziviler und  militärischer Ausrüstung bzw. Infrastruktur – einen viel  nachhaltigeren Effekt zum allgemeinen Wohlbefinden schaffen  sowie anderen Gesellschaften und Kulturen ein Mittel zur  selbständigen Weiterentwicklung geben würden. 

In Anbetracht solcher internationalen Herausforderungen scheint eine weitere Angelegenheit, welche vornehmlich unser Land betrifft, beinahe provinziell. Und dennoch: die anstehen- den Bundesratswahlen werden die Zukunft im Allgemeinen und wohl auch die Sicherheit unseres Landes im Besonderen beeinflussen. 

Auch wenn zum aktuellen Zeitpunkt lediglich die offiziellen Kandidaten bekanntgegeben wurden, hoffe ich für unser Land, aber auch für unsere Armee die jeweils «beste Lösung» - unabhängig von Partei und Geschlecht. Unsere Armee ist auf eine zielsichere politische Führung angewiesen, welche klare und verlässliche Rahmenbedingungen vorgibt. Sie benötigt jedoch auch eine starke Position innerhalb des Bundes um die grossen anstehenden oder laufenden Erneuerung Umstrukturierungsprojekte erfolgreich zu Ende zu bringen. Möge uns die vereinigte Bundesversammlung eine Regierung und insbesondere einen VBS-Vorsteher geben, welcher unabhängig von Partei- und Eigeninteressen den Stellenwert mit angemessenen Finanzmitteln und Ausrüstung ausgestatte Landesverteidigung anerkennt und gegen innen wie aussen vertritt. Dies als «Weihnachtswunsch» meinerseits zu Gunsten unserer Landesverteidigung.

Zum Abschluss möchte ich Sie auf die beiden ersten Anlässe im neuen Jahraufmerksam machen: Am 27. Januar 2019 unsere traditionelle Filmmatinée statt; die Details finden Sie auf Seite 15 des Bulletins

Am 2. März 2019 findet in Leubringen unsere GV statt, an welcher ich das Zepter an meinen Nachfolger übergeben werde. Als Gastreferent dürfen wir Divisionär René Wellinger, Kommandant Heer, begrüssen. Die Details zur GV folgen im Bulletin 1-19. 

Ich freue mich sehr, Sie zahlreich an unseren Anlässen zu begrüssen und ich wünsche Ihnen allen eine frohe und besinnliche Festzeit! 

 

EXEMPLO DUCEMUS! 

 

Kameradschaftliche Grüsse 

 

Maj Patrick NYFELER 

Präsident OG Biel-Seeland