Das Wort des Präsidenten

 

«Why Arabs lose wars» – 1999 analysierte der Nahostexperte und damalige Oberst der U.S. Army, Norvell B. De Atkine, unter diesem Titel in einem viel beachteten Aufsatz, weshalb in der Moderne Armeen aus dem arabischen Raum immer wieder versagen. De Atkine führte eine Vielfalt an Gründen auf. Eine Kultur, die zu übermässigem Zentralismus, fehlen­dem Vertrauen, Wunschdenken und Mystizismus neigt. Vor­gesetzte, welche Informationen als Machtinstrument einsetzen – indem sie diese möglichst zurückhalten. Ein Bildungssystem, das auf Auswendiglernen setzt statt auf Analyse und Verständ­nis. Entschlussfassungen von abgeschotteten Kommandanten, die dennoch keine Verantwortung übernehmen. Ungeeignete Ausbildungsmodelle, welche den Kampf der verbundenen Waffen nicht trainieren. Und schliesslich ein beinahe unüber­windbarer Graben zwischen Offizieren und Soldaten – auch deshalb, weil de facto kein funktionierendes Unteroffiziers­korps besteht.

Qu'est-ce qui a changé dans cette appréciation de la situation au cours des 20 dernières années ? Je ne suis ni un expert du Moyen-Orient, ni un colonel, mais de mon point de vue, j'ose dire que rien n'a changé. Les causes de l'inefficacité des forces arabes, telles que décrites par De Atkine, sont trop profondé­ment enracinées - et les élites arabes n'ont sans doute pas la perspicacité ou la volonté de changer cela. L'incapacité des forces armées nationales respectives à assurer la paix et l'ordre dans l'intérêt de la population reste donc un problème central de toute politique dans la région.

Als Schweizer Offiziere können wir daraus drei Lehren ziehen: auf der geopolitischen, auf der nationalen und auf der individuellen Ebene. Als aufmerksame Beobachter der inter­nationalen Lage zeigt uns die Analyse auf, wie stark sich der Nahe und Mittlere Osten des Jahres 2020 doch vom Europa 1914 unterscheidet. Alle Apologeten, die Analogien zwischen der Ermordung des österreichisch-ungarischen Kronprinzen und des iranischen Generals sehen, entblössen höchstens ihre historische und sicherheitspolitische Naivität. Und als Medien­konsumenten gibt uns die Hysterie um die Dämmerung eines Dritten Weltkrieges Zeugnis von der Unwissenheit vieler Kommentatoren.

Au niveau fédéral, l'analyse nous montre à quel point la pros­périté et la sécurité dépendent d'une force de police et d'une armée qui fonctionnent. Plusieurs votations sont à l'horizon, où une approche réaliste est nécessaire. Le référendum sur le renouvellement des moyens de protection de l'espace aérien porte simplement sur la poursuite de l'existence de notre force aérienne. L'initiative « Contre les exportations d’armes dans des pays en proie à la guerre civile » (initiative correc­trice) nous fait croire que les armes sont un problème en soi et non la question de savoir qui les utilise. Enfin, le référen­dum probable contre la « durcissement de la loi sur le service civil » devrait en fin de compte empêcher que la liberté de fait de choisir entre le service militaire et le service civil ne soit restreinte, voire inversée.

Im persönlichen militärischen Umfeld schliesslich tun wir gut daran, die fern scheinenden Kritikpunkte ernst zu nehmen, denn was im Nahen Osten Voraussetzungen für funktionieren­de Streitkräfte sind, ist in der Schweiz genauso relevant. Laufen wir in der Schweizer Armee (und nota bene auch in anderen Institutionen) nicht ebenso Gefahr, zunehmend dem Zentralismus zu verfallen? Fehlt es uns nicht ebenso zuweilen an Vertrauen? Wie häufig sind Übungskritiken und Berichte von Wunschdenken statt von schonungsloser Reflexion geprägt? Setzt unser Bildungssystem noch Leistungsanreize, oder ist die Egalisierung und Nivellierung bereits zu dominant? Wie viele Chefs – in der Armee wie in der Privatwirtschaft und in der Politik – entscheiden abgeschottet und übernehmen die Verantwortung dennoch nicht? Ist unser Ausbildungsmodell in der Armee noch zeitgemäss? Wie viel Zeit investieren wir in den Kampf der verbundenen Waffen? Und schliesslich: tragen wir als Offiziere genügend zum Schulterschluss mit der Truppe bei, indem wir unseren Unteroffizieren den Rücken stärken, ihnen Vertrauen und Verantwortung schenken?

L'officier responsable pose beaucoup de questions - et il n'a pas peur de chercher des réponses. La Société des officiers Bienne-Seeland doit permettre cet échange. Dans l'intérêt de notre propre développement personnel, mais aussi au profit de la politique de sécurité de notre pays. Lors de l'Assemblée générale du 29 février 2020, le comité présentera son concept sur la manière dont il entend mieux atteindre ces objectifs en 2020. Je me réjouis de vous accueillir en grand nombre à Evilard. Comme toujours, la famille, les amis et autres personnes intéressées sont les bienvenus.

Ich freue mich darauf, im Jahr 2020 solche Fragen, die uns als verantwortungsbewusste Offiziere beschäftigen sollten, zu diskutieren. Damit leisten wir nicht nur einen Beitrag zu unse­rer persönlichen Entwicklung, sondern auch zur sicherheits­politischen Debatte in diesem Land. Den Anfang macht die Generalversammlung vom 29. Februar 2020 in Leubringen, zu der ich Sie mit Ihren Angehörigen, Freunden und weiteren Interessier­ten herzlich einlade. Gemeinsam mit dem Vorstand freue ich mich darauf, aufzuzeigen, wie wir im kommenden Jahr unsere Ziele erreichen wollen.

 

Kameradschaftliche Grüsse – salutations cordiales

Maj i Gst Patrick Hofstetter

Président SO Bienne-Seeland